stellt aktuelle und zurückliegende Projekte, Unterrichtsvorhaben und Materialien vor, die parteinehmend für Minderheiten, öffentlich Beschwiegene und Ausgegrenzte intellektuelles Arbeiten mit Jugendlichen auf bildungspolitisch vernachlässigte Terrains zuschneidet.
Interkulturelles
Lernen? Fremdsprachige Lyrik im Deutschunterricht?
Hierzu biete ich didaktische Hilfen und eine persönliche Auswahl von Gedichten
an. Umfangreicher ausgeführt können Sie das Konzept eines Deutschunterrichtes
mit fremdsprachigen Gedichten nachlesen in: Rainer F. Kokenbrink; Ich versteh
kein Wort, nur die Ordnung. Anregungen für einen interkulturellen Deutschunterricht
mit anderssprachigen Gedichten. In: Das Lehrerhandbuch. August 2008. Stuttgart,
Berlin 2008
Zugleich sollen die Leitthesen einer Projektreflektion unterstrichen werden,
die ich zusammen mit einem ehemaligen Kollegen in unserem Buch
"Kultur und Gewalt. Vom Ruhrgebiet nach Galizien" publiziert habe.
Für meine Deutsch- und Philosophiekurse stelle ich Downloadlisten der behandelten Texte und dazu flankierende Ergänzungstexte bereit, die mit einer wöchentlich fortgeschriebenen mindmap vernetzt werden. Ältere Downloadlisten bzw. solche zu allgemeinmethodischen Fragen lasse ich online. Eine Beispielmindmap (Stand 5/07) finden Sie hier. Der Zugang zu den bereitgestellten Texten erfolgt aus Urheberrechtsgründen passwortgeschützt.
Sie finden hier eine mit Schülern erstellte Dokumentation einer mehrjährigen Patenschaft für den Ehrenfriedhof in Hattingen, auf dem Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen aus dem Donezbecken (heutige Ukraine) beerdigt sind. Die Schüler und SchülerInnen befreien die Gräber von wuchernden Pflanzen, recherchieren die Herkunft und Geschichte, dokumentieren und bilden auf diesem Wege eine Erinnerungsspraxis aus, die für die Belange der Zukunftsgestaltung sensibilisiert.
Riss durchs Leben
Im Kontext der Patenschaft wurde im Mai 2009 die Wanderausstellung "Riss durchs Leben" des Landschaftsverbandes Rheinland interessierten Bürgern und Bürgerinnen sowie vielen Schülern gezeigt. Die vor dem Hintergrund der erfolgten Entschädigungszahlungen bestens erforschte Geschichte der (regionalen) Zwangsarbeit im 3. Reich wird durch diese Ausstellung um ein bisher vernachlässigtes, besonders düsteres Kapitel bereichert: Das Schicksal schwangerer Frauen unter den Bedingungen von Zwangsarbeit. In Form von 10 Biographiecollagen ukrainischer Frauen zeigt die Ausstellung eindrucksvoll, dass die Niedertracht kaum ein Ende fand; Schwangere wurden von der Straße ihrer Dörfer deportiert, sie gebaren in der ehemaligen Landesfrauenklink in Wuppertal ihre Kinder, die sie zum Teil beerdigen mussten, oder die Ihnen unmittelbar nach der Geburt weggenommen wurden. Eine aufrüttelnde Ausstellung für alle Besucher und Besucherinnen. Das Presseecho lesen Sie hier! Und hier!
Bemerkenswert und die regionale Gedächtnis- und Erinnerungskultur beleuchtend ist die signalisierte Gesprächsbereitschaft durch eine öffentlich vorgetragene Bildung, z.B. auch durch eine Ausstellung, die wie hier vernachlässigte Inhalte einer Debatte aufarbeitet und präsentiert. Bürger und Bürgerinnen der Stadt beginnen nach Jahren wieder aus alten Papieren, Dokumenten und Erinnerungen zu erzählen. Wie den Frauen aus der Ukraine, die nach Jahrzehnten ihr Schweigen brachen, als jemand kam, der zuhörte, so setzte dies Projekt Erinnerungen und Gespräche in Gang, die viele Beteiligte nun auch nicht mehr vergessen. Schulen können hier wie sonst kaum ein Ort zu kulturellen und politischen Schnittstellen engagierter Bildungsarbeit werden, wenn sie sich selbst auch so begreifen lernen, anstatt die Schulvorschriften als Curriculum misszuverstehen.
Migrationen
kennzeichnen
das jüngst beendete "Jahrhundert der Lager" (Baumann) und die verschiedensten
Integrationskonzepte
können angesichts allerortens ansteigender Xenophobie und minderheitenfeindlicher
Gewalt nicht wesentlich zur Entspannung des Konfliktpotentials beitragen.
Dieser Aufsatz versucht für schulische Arbeitszusammenhänge Ideen
vorzustellen, Projektformen zu skizzieren und methodische Prinzipien zu gewinnen,
um über die zumeist fruchtlosen, bloß kognitiv zugeschnittenen Ansätze
hinaus Erfahrungs- und Begegnungsfelder zu entwerfen, in denen die Akzeptanz
des Fremden in vielfacher Hinsicht bereichernd erlebt und überdacht werden
kann.
Skizziert werden Unterrichtsideen zur Geschichte und Kultur der Sinti
und Roma, zum kulturellen Background junger Russlanddeutscher
, indem ihre Sprach- und Kulturkompetenzen zum Unterrichtsgegenstand oder
die Verfahrensweisen der Ausgrenzung und Stigmatisierung
thematisiert werden.
"Die lyrische
Poesie [...] ist ein punktuelles Zünden der Welt im Subjekte."
Friedrich Theodor Vischer - Aesthetik oder Wissenschaft des Schönen (1846-57;
2/1923, §886)
"Ein Gedicht ist immer die Frage nach dem Ich."
Gottfried Benn - Marginalien
"Aber die Schriftsteller müssen ihre Aufgabe als Feuerwehr der Sprache erfüllen. In Deutschland weiß man besser als sonstwo: Jeder Katastrophe, jeder Ungeheuerlichkeit geht ein Missbrauch der Wörter voraus."
An das Postulat Amoz Oz´ anknüpfend vermögen Gedichte zur Sensibilisierung beizutragen, sie vermögen eine Fremdheit zur Alltäglichkeit zu stiften, die in vielerlei Hinsicht produktiv ist. Wozu Gedichte lesen also? Als (Über) Lebensmittel ! Lesefunde, Lieblingsgedichte, große Literatur..., - eine persönliche Sammlung; - zumeist aber zweisprachig; Gedichte von Aragon, Al Berto, Jessenin, Alberti, Bennis, Bihari , Bisultanov, Blok, Borowski, Celan, Char, Cummings, Chagall, Debeljak, Ekeloef, Lorca, Gelman, Gebirtig, Guerra, Hikmet, Hrubin, Jessenin, Kolmar, Lorca, Mandel'štam ,Milosz, Mishol, Neruda, Pound, Rozevicz Sutzkever, Szymborska, Thomas , Toerne, Valéry, Vallejo, Yeats, Walcott, Whitman, Wyssotzkij., Zagajewski, Zajc, Zychlinski
In schulischen Lebens- und Arbeitszusammenhängen gerät zunehmend die Heterogenität der Lerngruppen ins didaktisierende Blickfeld. Prämissenhaft fließt hier immer mit ein, dass die aus der Lehrerperspektive konstatierte sprachliche und kulturelle Heterogenität der Lerngruppe selbstredend auch für die SchülerInnen horizonthaft präsent sei. Dies ist jedoch keineswegs so. Die Erfahrung der sprachlichen und kulturellen Differenz muss erst als mitgehende, unthematisch fungierende Hinsicht ent-deckt werden, Thema werden. Erst daran anschließend können interkulturelle Lernprozesse für alle Beteiligten angestoßen werden.
Die Lektüre anderssprachiger, fremdkultureller Gedichte im Deutschunterricht bietet hier wichtige, mehrfach erprobte Diskursformen und Denkimpulse.
Die ersten, noch mythologischen, Würdigungen menschlicher Rationalität als ermöglichendes Mittel der Selbstbestimmung bedienen sich nicht ohne Grund der Reisemetapher.
Odysseus´ Reise zeigt die Möglichkeiten sich erweiternder Klugheit und Emanzipation durch die Begegnung mit Fremden ebenso auf wie die dadurch notwendig werdende Auflehnung gegen autoritär inszenierte Götterhimmel und Dogmen.
Reisen ist daher schon früh als Erkenntnisform begriffen worden
und heute deutlich von "Urlaub" und den in Schüleraustauschen
häufig gebräuchlichen "Bürgermeisterprogrammen"
zu unterscheiden.
Ich plädiere ausdrücklich für den Zuschnitt internationaler Begegnungen zur Studienfahrt, in der die kulturellen Differenzen in den Blick zu bringen sind. Nicht vordergründige Verbrüderungsszenarien auf dem brüchigen Fundament gemeinsamen Feierns (das gelingt eh, -und besser, wenn man sich da raushält) oder die trampelige, auf Unkenntnis beruhende Gutsherrenart, die vorschnell Gemeinsamkeiten entdecken will, wo Unterschiede bestehen, sondern die Erfahrung des Fremden als bereichernde, attraktive Größe, die nicht beseitigt werden muß, sind anzustreben. Das bedeutet Arbeit, sicher, aber leicht ist freundschaftliches Miteinander eben nicht zu haben.
Wer Reisen also komplexer und anspruchsvoller versteht als Pauschalurlaub und diese Differenz auch in schulische Systeme zu integrieren versucht, und wer so von Sachzusammenhängen ausgeht und nicht von Urlaubs- und Erholungsbedürfnissen oder schulintern leichterer Verbuchbarkeit, überschreitet die in Schule konventionalisierten Arbeitsstrukturen, die eher die Wiederholung favorisieren und unter dem Etikett der besseren Gremienhandhabbarkeit legitimieren. Professionalität in der Planung und Evaluierung gerät angesichts der nicht apriori für alle zur Verfügung stehenden Kompetenzen ins Abseits. Hier sind administrative Regelungen und konzeptionelle Zielformulierungen der Schulen gefragt, die entweder engagiertes Arbeiten fördern und schulprogrammatisch einbinden oder sich zum Mittelmaß bekennen.
und die Kontaktaufnahme mit einem Lemberger Gymnasium lag im Kontext einer etablierten Schulpartnerschaft mit einem südostpolnischen Lyceum in vielerlei Hinsicht nahe: Lemberg galt es als ehemals polnische Stadt und kultureller Magnet Galiziens ebenso zu besuchen wie als ukrainische Industriestadt und Ausgangspunkt politischen Souveränitätsstrebens.
Dass
sich im Laufe der Begegnung die Beziehungen zwischen deutschen, polnischen und
ukrainischen Schülerinnen festigten und zu Gegenbesuchen führten,
stimmt angesichts der neu formulierten harten Ostgrenze Polens zuversichtlich,
zumal der Besuch Lembergs auch für die KollegInnen und SchülerInnen
in Krosno bestehende, historisch gewachsene Ressentiments aufweichen konnte.
In der Sachlogik dieser Themenreisen stünden z.B. auch trinationale Begenungen
in Odessa und Czernowitz an..., - an Ideen mangelt es da weniger als an administrativen
Weichenstellungen.
Auch zu dieser Fahrt gab es einen Reader mit Texten und Bildern, die das Neue thematisch erschließen halfen, dies allerdings nicht mit der Dümmlichkeit mundgerechter Urlaubsinformation, sondern in Form kleiner historischer, kultureller und politischer Essays. Das Vorwort dieses Readers finden sie im folgenden.
Im
Kontext der Vor- und Nachbereitung der Studienfahrt gelang noch in Absprache
mit einem kleinen Programmkino die Vorführung des thematisch eng an die
Reise angeknüpfenden, wunderbaren Films
von Yolande Zaubermann " Ivan und Abraham".
Elem
Klimovs Meisterwerk! Die Wandlungs des Protagonisten vom Kind zum verstörten
Erwachsenen vollzieht sich als fortwährende Grauensbewältigung, welche
die Kindheit vertreibt und ein Alter nicht zulässt.
"»Komm und siehe zu!«, heißt es in der Johannes-Apokalypse. Die Kraft der Bilder, etwas zu offenbaren, hängt auch mit der Bereitschaft des Publikums zusammen, etwas sehen zu wollen. Elem Klimov arbeitet nicht mit der Autorität des Authentischen, sondern präsentiert eine Welt der subjektiven Schocks. Die NS-Verbrechen in Belorussland 1943 werden aus der Perspektive des zwölfjährigen Fljora erlebt, der sich der Partisanenbewegung anschließt, den Genozid deutscher SS- und SD-Einheiten an den Bewohnern eines Dorfes mitansehen muss und am Entsetzen (heran)wächst. Die traumatischen Situationen beziehen ihre Wirkung aus halluzinatorischen Bild- und Tonfolgen. Der Gehörsturz, den Fljora nach einem Granatenbeschuss erlebt, das zuckende Auge einer sterbenden Kuh im Trommelfeuer und rückwärts laufende Archivsequenzen, die nach dem Ursprung des Grauens fragen, suchen in der Filmgeschichte ihresgleichen." (Matthias Wittmann)

Desweiteren rubriziere ich hier ausgewählte Filme, die ich aufgrund ihrer Thematik, Erzählpoesie und Bildgewalt für unbedingt sehenswert halte. So zum Beispiel "Die Rückkehr" von Andrej Swjaginzew. Eine schlichte aber stets mehrdimensional angelegte Fabel über den Vater...
Ein Gespräch mit der Zeitzeugin Orna Birnbach aus Tel Aviv wuchs aus der Reisearbeit und konnte arrangiert werden, in dem sie ihre Erinnerungen an die Shoah in Polen und Deutschland ca. 350 SchülerInnen verschiedener Hattinger Schulen vortrug.
Eine kleine Fachtagung zum Thema der Geschlechtertypologien
und -identitäten in unserem Kulturkreis mit dem gesamten 13.Jg.? .Die Idee
zu dieser Tagung ging aus der unterrichtlichen Beschäftigung mit der Philosophie
Jean Paul Satres hervor; die sich anschließende Lektüre exemplarischer
Texte von Simone de Beauvoir erbrachte die thematische Fixierung. Das "aktuelle
forum", eine politische Bildungseinrichtung, konnte für die Planung
und Durchführung gewonnen werden, so dass die engagiert arbeitenden SchülerInnen
die anfänglichen administrativen Vorbehalte zu zerstreuen wussten und sich
letztendlich eine gelungene Tagung organisierten.
Antike Texte verschwinden im Zuge eines entfesselt betriebenen Bildungsumbaus zunehmend aus dem Unterricht. An fadenscheinigen Begründungen für dies schulische Beschweigen mangelt es nicht. Kommen sie dennoch zur Sprache, dann häufig nur in Form von Inhaltsangaben, Interviews oder ähnlich Vorverdautem.
Der
Leitapproach meiner Überlegungen: Die Referenztexte der abendländischen
Kultur- und Ideengeschichte sind gerade aufgrund ihres unablässig diskutierten
Problemreichtums in den Schulen für jeden zu öffnen und zu ansprechenden
Lernarrangements aufzubereiten, - und dies ohne Blick auf Leistungsvermögen,
Herkunft und ähnliche Schülermerkmale. Die Unterrichtsszenarien sollen
große Gespräche sein, die an den Beunruhigungspotentialen der Texte
anknüpfen und diese aushalten. Solch Unterrichten scheitert fortwährend,
wenn er Beruhigung durch "Arbeitsblattabheften" anstrebt; er gelingt
als offene, zielorientierte Praxis gemeinsamen Nachdenkens.
Die verheerende
Abhakmentalität, die dem Lehrerberuf so gefährlich naheliegt, verlängert
sich ungebremst in die Schülersätze "Ach, den 2. Weltkrieg (oder
Goethe....) hatten wir schon in der 9." Also: Gespräche brauchen das
Scheitern, ihr einsichtiges Noch-Nicht-Beendet-Sein, um erneut sinnvoll begonnen
werden zu können. Jede Rede ist Schweigen (Merleau-Ponty) und mit dem Gesagten
steigt die Menge des Noch-Nicht-Gesagten (Heidegger). Dies scheint auf, dem
gilt es produktiv zu begegnen. Hier entwürfe sich die Lehrkraft als Mitlesende,
Mitfragende, als Gesprächspartner. Diese Erfahrung ist für alle Beteiligten
apriori eine gute, die Lektüre antiker Texte legitimierende, Erfahrung.
Die Literaturzeitung eines Deutschkurses zu Homers Odyssee lesen sie hier.
Unter diesem auch metaphorisch zu verstehenden Begriff rubriziere ich eine Auswahl selbstverfasster und z.T. auch publizierter Texte.
Von Grenzgängern und einem Rehbock an der deutsch - polnischen Grenze, ihrer Befestigung und "Sicherung", ist die Rede im Text "Grenzjagd". Ein Nekrolog auf die sterbenden Urwälder um Weißwasser wird im Text "Gedächtnis der Wälder" gehalten. Die Totenrede beschwört mahnend die Endgültigkeit einer Naturzerstörung, woran auch Aufforstungsmaßnahmen nichts ändern werden. Wölfe in Deutschland: Sie sind wieder da. Mit großem medialen Aufwand wird immer wieder von dem Wolfsrudel in der Lausitz berichtet. Die "Wolfsjagd" erzählt von einer morgendlichen Begegnung mit einem jungen Wolf. Ein Augenzeugenbericht.
"Ein jeder Engel ist schrecklich". Hier wird die Erstbegegnung mit einer mir bis dahin unbekannten Barlachplastik und deren gedankliches Nachbeben beschrieben.
Umfangreicher ausgeführt können Sie das Konzept eines Deutschunterrichtes mit fremdsprachigen Gedichten nachlesen in: Rainer F. Kokenbrink; Ich versteh kein Wort, nur die Ordnung. Anregungen für einen interkulturellen Deutschunterricht mit anderssprachigen Gedichten. In: Das Lehrerhandbuch. August 2008. Stuttgart, Berlin 2008
letzte Aktualisierung: 26.09.2009